Umsicht, Weitsicht, Ziel im Blick | Gute Führung ist Chefsache

Sie führen mit Umsicht, Weitsicht und haben zielfokussiert stets das Ganze im Blick. Auch in hektischen Situationen leiten sie Mitarbeiter und Organisation souverän durch turbulentes Tagesgeschäft. Die Zusammenarbeit mit Kollegen und Mitarbeitern gestalten sie gleichermaßen wertschätzend partnerschaftlich wie professionell ergebnisorientiert. In der Erledigung operativer Aufgaben arbeiten sie hocheffizient und verlieren auch in hektischen Zeiten strategische Handlungsfelder nicht aus den Augen.

Umsicht, Weitsicht, Ziel im Blick. Ansichtskarte mit drei hintereinander schwimmenden Schwänen, die in unterschiedliche Richtungen blicken. Von Anne Alsfasser, Foto von Sabine Fladung-Wagener
Umsicht, Weitsicht, Ziel im Blick: Betrachten Sie Führung doch einfach als Beruf! © Anne Alsfasser, Juli 2017, © Foto: Sabine Fladung-Wagener

Führungskräfte, die zu Höchstleistungen motivieren, wünschen sich Unternehmer und Mitarbeiter gleichermaßen. Performer, denen es  gelingt, mit Hilfe eines fairen Führungsstils Mitarbeiter auf Ergebnisse hin zu orientieren und dauerhaft die produktive Effizienz zu optimieren.

Performer oder Produktivitätskiller

Schenkt man der neuesten Gallup-Studie Glauben, sind die meisten Führungskräfte wahre Produktivitätskiller. Nur jeder fünfte befragte Arbeitnehmer sagt: „die Führung, die ich bei der Arbeit erlebe, motiviert mich, hervorragende Arbeit zu leisten.“ [1]

Das Selbstbild befragter Führungskräfte sieht allerdings vollkommen anders aus:  Führungskräfte sind sich Ihrer Defizite nicht bewusst. 97 Prozent sind der Überzeugung, eine gute Führungskraft zu sein. [2]

Und was halten Unternehmer von den Führungsqualitäten ihrer Führungskräfte?

Umsicht, Weitsicht, Ziel im Blick?

Ich wollte es genau wissen und habe  82 Geschäftsführern aus produzierenden Betrieben und dem Dienstleistungsgewerbe – alle mit Firmensitz in der Region Nordhessen und mit einer Größe von bis zu 150 Mitarbeitern- eine Frage gestellt:

Welche Kernkompetenzen Ihrer Führungskräfte müssen sich verbessern, damit ihr Unternehmen in Zukunft wettbewerbsfähig bleibt?

  1. Einsamer Spitzenreiter mit 66 Prozent der Nennungen ist das Thema Mitarbeiterführung
  2. In Arbeitsorganisation, operativen Steuerung und Planung sehen 33 Prozent der Geschäftsführer die größten Defizite
  3. Mehr unternehmerisches Denken und Kundenorientierung wünschen sich jeweils 30 Prozent der Befragten
  4. Fehlendes aktuelles fachliches Knowhow erleben 22 Prozent der Unternehmer als größte Herausforderung

Fehlende Führungskompetenzen ein Dauerbrenner

Überraschen Sie die Ergebnisse? Nein? Also nichts Neues. Bleibt die Frage: Warum ist das Thema „Führungskompetenzen“ ein Dauerbrenner?

  • Führungsarbeit wird generell unterschätzt. Die eigene Führungsleistung allerdings überschätzt.
  • Führung ist nicht Status, Rang und Privilegien. Sie ist harte Arbeit.
  • Unternehmer besetzen Führungsstellen häufig mit Mitarbeitern mit hoher Fachkompetenz, die für den Führungserfolg notwendigen Beziehungskompetenzen finden kaum Berücksichtigung.
  • Führung, insbesondere Mitarbeiterführung ist eine komplexe Disziplin.
  • Damit Führung wirksam werden kann, muss sie als Beruf begriffen werden.
  • Führung wird in Fachausbildungen noch immer nur am Rande, oberflächlich und rein theoretisch behandelt.

Betrachten Sie doch einfach Führung als einen Beruf

Jeder Unternehmer und jede Führungskraft weiß: Führungswissen ist rentabler als die profitabelste Aktie. Dazu braucht es weniger theoretische Managementtheorien als vielmehr die beständige Weiterentwicklung der eigenen Führungspersönlichkeit.

Warum also Führung nicht als Disziplin anerkennen, die wie jeder andere Beruf erlernt werden kann? Mit Blick auf die Qualifizierung von Führungskräften bedeutet dies, sich einzulassen auf einen dauerhaften und kontinuierlichen Lehr- und Lernprozess, in den auch der Firmenchef mit einbezogen ist.

In 5 Schritten zum gemeinsamen Führungsverständnis

Wie jeder Beruf ist auch der Führungsberuf grundsätzlich durch fünf Elemente charakterisiert, damit er professionell ausgeübt werden kann.

Erstens) Durch Leitlinien, die eine klare Führungsrichtung vorgeben. Zweitens) Durch Grundsätze, die Qualität und Leistung bestimmen. Drittens) Durch die Aufgaben, die zu erfüllen sind. Viertens) Durch die Werkzeuge, die dabei eingesetzt werden. Fünftens) Durch die Verantwortung für die Konsequenzen der Berufstätigkeit.

Schritt 1) Die Leitlinien

Gute Führung braucht klare Leitlinien. Leitlinien bilden die Basis unternehmensinterner, verhaltenssteuernder Regeln mit dem Zweck, eine professionelle Führungs- und Verhaltenskultur zu etablieren. Entwickelt werden Leitlinien aus vier Kernfragen: Wie wollen wir führen? Welches Verhalten wollen wir in unserem Unternehmen? Welches Verhalten wollen wir nicht? Wie bewerten wir Leistung?

Schritt 2) Die Grundsätze

Führungsleitlinien sollen im Unternehmen ein funktional erwünschtes Verhalten bewirken, das sowohl an den Erfordernissen der Organisation als auch an den Bedürfnissen der Menschen ausgerichtet ist. Führungsgrundsätze konkretisieren die Leitlinien. Sie sollen einerseits für die Effektivität des Handelns, andererseits für die Qualität der Führungsarbeit sorgen. Führungsgrundsätze können sein:

  • Ausrichtung auf Ergebnisse (individuelle Jahresziele abgeleitet aus den Unternehmenszielen)
  • Beitrag an das Ganze (individuelle Leistungsergebnisse als Beitrag zum Gesamtziel)
  • Konzentration auf das Wesentliche (maximal 5 +/- 2 Ziele pro Jahr)
  • Vertrauen (ohne Vertrauen keine Basis für produktive Zusammenarbeit)
  • Konstruktives Denken (zukunftsweisend, positiv, sach- und lösungsorientiert)

 Schritt 3) Die Aufgaben

Jeder Beruf ist durch spezifische Aufgaben charakterisiert, die in diesem Beruf erfüllt werden müssen. Zu den wesentlichen Aufgaben eine Führungskraft gehören:

  • das Fördern und Entwickeln von Menschen
  • für Ziele zu sorgen
  • das Organisieren von Bereichen, Strukturen und Prozessen
  • das Treffen von Entscheidungen
  • kontrollieren, messen und beurteilen

Schritt 4) Die Werkzeuge

In jedem Beruf helfen Werkzeuge bei der professionellen Aufgabenerledigung. Dies gilt auch für die Erledigung von Führungsaufgaben. Für Führungskräfte gilt es daher, die folgenden 6 Werkzeuge routiniert anwenden zu können.

  1. Persönliche Arbeitsmethodik
  2. Mündliche und schriftliche Kommunikation
  3. Stellengestaltung und Stellenbesetzung
  4. Leistungsbeurteilung
  5. Budget und Budgetierung
  6. Systematische Müllabfuhr

Schritt 5) Verantwortung übernehmen für die Konsequenzen aus der Berufstätigkeit

Führungskräfte tragen die Verantwortung für ihre Entscheidungen. Und es ist ihre Pflicht, die Konsequenzen aus Fehlentscheidungen zu übernehmen. Führungskräfte die die Verantwortung von sich auf andere schieben, Fehler nicht zugeben wollen oder gar auf andere schieben, verspielen das Vertrauen ihrer Mitarbeiter. Vertrauensverlust ist in den meisten Fällen nicht heilbar und macht im schlimmsten Fall aus Performern wahre Produktivitätskiller.

Mein Buchtipp: Fredmund Malik, „Führen, Leisten, Leben – Wirksames Management für eine neue Welt“, Campus Verlag.

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[1] Quelle: http://www.wiwo.de/erfolg/beruf/gallup-studie-fuehrungskraefte-sind-der-wahre-produktivitaetskiller/19552634.html.  Anmerkung: Die Gallup-Studie ist nicht repräsentativ. Nur 2.400 der insgesamt 23.000 befragten Mitarbeiter arbeiten für deutsche Unternehmen.

[2]  Siehe ebenda