ZANKapfel

Der große Zank um den kleinen Apfel. Wer kennt den nicht? Eskalierende Konflikte entbrennen häufig um scheinbare Nichtigkeiten. Das gilt für Partnerschaften genauso wie für geschäftliche Beziehungen und am Arbeitsplatz. Umherliegende Socken, unvollständige Informationen, das offene Fenster, ein vergessener Gruß, eine vorschnelle Entscheidung. Jede Situation ein kleiner Zankapfel mit einer enormen Menge an Zündstoff.  Aber warum ist das so?

Bleiben wir bei unserem Beispiel. Beim Zank um den Apfel geht es nicht wirklich darum, wem der Apfel zusteht. Vielmehr ist der Apfel der Auslöser für eine Eskalation in einem bereits länger bestehenden Konflikt. Unter dem Streit um den Apfel liegt häufig ein Wurzelgeflecht aus unerfüllten Erwartungen, Kränkungen, Missverständnissen und zunehmendem Vertrauensverlust.

Wie können solche Situationen vermieden werden?

Regel 1) Nicht lange drumrum reden

Sprechen Sie Schieflagen sofort an und bringen Sie Ärgernisse gleich auf den Tisch. Sagen Sie klar und deutlich, was Sie geärgert hat und suchen Sie gemeinsam nach Lösungen, wie solche Situationen künftig vermieden werden können.

Regel 2) Keine Rabattmarken sammeln

Rabattmarken sammeln Menschen, die Schwierigkeiten nicht gleich ansprechen, sondern vermeintliche Verfehlungen auf einer Liste sammeln. Wenn das emotionale Fass überläuft, kommen gleichzeitig alle Punkte auf den Tisch. Manchmal sind das Dinge, die bereits mehrere Monate zurückliegen. Das überfordert jeden Konfliktpartner, weil das Problem sachlich häufig nicht mehr gelöst werden kann.

Regel 3) Der „Konfliktbesitzer“ ist für den Konflikt verantwortlich

Es kann vorkommen, dass Person A sich über Person B ärgert, allerdings ihren Ärger B nicht mitteilt.

Für Person B ist die Welt in Ordnung; sie sieht keinen Konflikt mit A. Das bedeutet, dass Person A dafür verantwortlich ist, den Reibungspunkt zu benennen. Nur so kann ein Missverständnis zeitnah, konkret und fair gelöst werden.

Regel 4) Formulieren Sie Wünsche und Gefühle anstatt Beschwerden und Vorwürfe

Auch wenn Sie sich ärgern: bleiben Sie so sachlich wie möglich. Benennen Sie konkret, worüber Sie sich geärgert haben und was Sie sich in Zukunft wünschen. Beispiel: Ich habe mich darüber geärgert, dass Du den Artikel veröffentlicht hast, ohne ihn mit mir abzusprechen. Wir haben das anders vereinbart und ich möchte, dass Du Dich künftig an unsere Absprachen hälst. Anklagen und Vorwürfe bringen Sie nicht weiter, sondern eskalieren den Konflikt weiter.

Regel 5) Auf der Sachebene hart, in der Beziehungsebene weich

Diese Regel bedeutet, dass ich Verhandlungen sachlich hart führen darf, um meine Ziele zu erreichen. Allerdings darf ein harter Verhandlungsstil nicht dazu führen, dass mein Gegenüber sein Gesicht verliert. Beispiel: Ich mag Dich sehr, Anne, das weißt Du. Aber diese Entscheidung werde ich nicht mittragen.

Regel 6) Sagen Sie was Sie wollen und verzichten Sie auf Verneinungen

Es ist wichtig, dass Sie ihre Wünsche und Erwartungen klar und deutlich sagen. „Ich möchte, dass Du mich fragst, bevort Du einen Artikel veröffentlichst.“ Verzichten Sie unbedingt auf Verneinungen wie im folgenden Beispiel: „Ich möchte, dass Du nicht noch einmal den Artikel ohne vorherige Absprache veröffentlichst“.

Fazit: Nicht zu lange rumreden, sondern lieber sachlich auf den Punkt kommen. Dieser Grundatz gilt für beide Geschlechter (diese Frage nach geschlechtsspezifischen Besonderheiten kommt in fast jedem Seminar :-))