Bleibenden Eindruck hinterlassen

Rund zwei Monate liegen zwischen diesem und meinem letzten veröffentlichten Beitrag. Für mich waren es spannende und bewegende Monate mit neuen Projekten, Kooperationen, strategischen Handlungsfeldern und denkwürdigen Dialog-Wanderungen durch den Nationalpark Kellerwald-Edersee. Das Besondere daran war, das mich Geschäftsfreunde und Kollegen eine Wegstrecke lang begleiteten.

Jeden Tag war ein anderer Gesprächspartner mit mir unterwegs. Unsere Wanderungen führten uns über Knorreichenstieg, Kanzelroute, Hengstwiese, durch Kesbachtal, Bärental und auf den Peterskopf. Losgelöst vom Arbeitsalltag und jenseits von beruflichem Kontext entwickelten sich Gespräche, die bleibenden Eindruck hinterlassen.

bliebender eindruck
bleibenden eindruck hinterlassen. ©Anne Alsfasser © Foto Sabine Fladung-Wagener

Unterschiedliche Fragestellungen – ein Kernthema

Die Idee meiner Dialog-Wanderung war, Lösungen zu einer drängenden Fragestellung in einem gemeinsamen Gedankenaustausch zu entwickeln.

Es waren sehr unterschiedliche Ausgangssituationen, die meine Gesprächspartner beschäftigen: Da war der nordhessische Unternehmer auf seiner Suche nach einem passenden Nachfolger für sein Geschäft. Den Inhaber eines Industriebetriebes beschäftige die Frage, ob seine jungen Führungskräfte genug Biss  für die Bewältigung der neuen Aufgaben mitbrächten. Die Chemikerin mit dem Doppelposten „Produktionsleitung und Leitung Forschung & Entwicklung“, die sich am Dauerkonflikt mit dem Vertrieb aufrieb. Der wegen mangelhafter Qualität und Termintreue zunehmend unter Druck geratene Betriebsleiter sowie der Geschäftsführer, der die Interessen seiner sechs Gesellschafter unter einen Hut zu bringen versuchte.

Unabhängig von den unterschiedlichen persönlichen Problemstellungen zog sich ein Kernthema wie ein roter Faden durch alle Gespräche: Führung wie „früher“ funktioniert nicht mehr.

Führung im Wandel

Führungsarbeit wandelt sich. Forderungen nach selbstbestimmter Arbeitszeit, sinnstiftender Arbeit und neuen Formen der Zusammenarbeit stellen immer mehr Berufseinsteiger. Technische Neuerungen und die Digitalisierung krempeln unser Rollenverständnis um; Digital Natives im Teenageralter mutieren zu Mentoren ihrer älteren Arbeitskollegen und Vorgesetzten. Hierarchien werden flacher, Fachkarrieren ersetzen Führungskarrieren. Privates wird wichtiger, gutes Betriebsklima gewinnt an Bedeutung und partnerschaftliche Führung ist erwünscht. Diese sehr realen Veränderungen stellen viele Führungskräfte auch diesseits der 40er vor große Umsetzungsprobleme.

Moderner Führungsstil setzt vor allem auf wertschätzende Kommunikation, Verhandlung und Vermittlung. Autorität, Druck und stumpfe Anweisungen fördern weder Engagement und Motivation, noch führen sie zu dauerhafter Leistungssteigerung.

Ein Umdenken ist dringend erforderlich, wollen Unternehmen auch künftig attraktiv und erfolgreich sein. Die Wirtschaft boomt, der Arbeitsmarkt ist leer gefegt. Es kostet zunehmend Mühe, passende Mitarbeiter zu finden. Abmahnungen machen immer weniger Sinn, viel mehr gilt es, Fehlleistungen durch angemessene Methoden der Gesprächsführung zu korrigieren.

Es sind die Ergebnisse die zählen

Die Arbeitswelt befindet sich im Umbruch. Die in der Vergangenheit bewährten Denkmodelle funktionieren nicht mehr. Viele wissen das und in der Theorie ist die Sache klar: Organisationen müssen sich anpassen, wenn sie erfolgreich bleiben wollen. Dies ist keine neue Einsicht, allerdings entscheidet heute die Anpassungsgeschwindigkeit über den Markterfolg. Für das Gelingen tragen Unternehmer und Führungskräfte die Verantwortung. Leider wird diese offensichtliche Tatsache in der Praxis häufig vollkommen ausgeblendet.

Führungswissen effektiv einzusetzen ist Pflicht, denn es sind die Ergebnisse, die zählen. Nicht das Büro, das Firmenfahrzeug oder der Titel. Leider verlieren Führungskräfte häufig genau das aus den Augen, wofür sie bezahlt werden, nämlich Erstes) dafür zu sorgen, dass das, wofür der Kunde bezahlt, im Zentrum der Aufmerksamkeit steht und von dort nicht wieder verschwinden kann. Zweitens) sicherstellen, dass die Menschen im Unternehmen ihren Job machen können und ihrem Bedürfnis, Leistung zu erbringen, nichts im Wege steht.

Mehr zum Thema lesen Sie in meinem Beitrag: Führung ist Chefsache

 

Über die Autorin: Anne Alsfasser, Diplom-Ökonomin,  Kommunikationspsychologin, Wirtschaftsmediatorin, Systemdesignerin,  selbstständige Unternehmensberaterin aus Korbach, Nähe Kassel, Nordhessen.

Über die Fotografin: Sabine Fladung-Wagener, Hotelmanagerin, Hobbyfotografin aus Leidenschaft. Wohnt in Waldeck, Nordhessen. Ihre Motive findet Sabine Fladung-Wagener am Edersee sowie im Naturpark Kellerwald-Edersee.

Über das Projekt: Bleibenden Eindruck hinterlassen ist Ansichts-Karte 6 der Bilderserie Ansichts-Sachen rund um die Themen Unternehmen, Organisation, Führung, Kommunikation und Konfliktfestigkeit. © Anne Alsfasser, © Fotos: Sabine Fladung-Wagener.